AutorThema: Moskvich Damals
Tobi

geschrieben am:
20.06.2008 23:02

mal ne frage an die älteren Moskvichfahrer.Da ich selbst zu den jüngeren fans dieser Marke gehöre und die fahrzeuge leider nur, nach der Wende als sehr schnell aussterbende rasse kennengelernt habe,würde mich mal inter. welchen Stellenwert die mossis in der DDR hatten. Bzw wie lange man auf die schmuckstücke warten musste.
klaus köpke

geschrieben am:
23.06.2008 19:48

Hallo Tobi!Als etwas älterer"Ossi"möchte ich mal versuchen,Dir Deine Fragen zu beantworten.Den Stellenwert eines Mossi kann man schlecht beschreiben.Fakt ist,das alles über dem Trabbi damals schon als richtiges Auto angesehen wurde,(Viertaktmotor,Blechkarosserie,vier Türen usw.)Jeder,der an einen Mossi rankam,war froh,ihn zu haben.Meistens gebraucht gekauft u.zum großen Teil rep.-bedürftigt.Aber irgendwie waren wir ja alle Handwerker.Ich habe mir 1980 einen total durchgerosteten 412er von einem ACZ(Agrochemisches Zentrum)gekauft.Damit habe ich dann angefangen ein Haus zu bauen.Zwischenzeitlich konnte ich eine 2140Unfallkarosse auftun,die ich dann,nachdem das Haus fertig war,auf den 412er aufgebaut habe.Ich muß zur Erklärung sagen;icn habe seit 1970 bis zur Wende in einer Moskwitschwerkstatt gearbeitet.Sonst hätte ich diesen Deal nicht machen können(Vitamin B ).Natürlich wollte ich auch mal ein neues Auto haben.Jetzt komme ich zum zweiten Teil deiner Frage.Anfangs sollte die Wartezeit auf einen Moskwitsch 7 Jahre betragen.Als dann aber viele andere von dieser vergleichsweise "kurzen" Wartezeit gehört haben,ging die Wartezeit nach oben wie bei allen anderen Autos.Je nach Region zwischen 10 u.14 Jahren.Ich habe zu "DDR-Zeiten"nie ein neues Auto bekommen.Soviel dazu.Wenn Du weitere Fragen hast,Du weißt ja wie es geht.Klaus.
matthikuhl

geschrieben am:
02.07.2008 00:33

Naja,der Moskwitsch hatte damals keine richtige Lobby.Das lag vielleicht auch daran,daß haupsächlich Landwirtschaftliche Betriebe ihn als Dienstwagen hatten.Wenn es eine Rangliste gegeben hätte, würde ich sagen: Sappo,Skoda MB1000/S100,Moskwitsch, Trabi, Wartburg u.s.w.!Ja wirklich, denn ein gleich alter Trabi war teurer und schwerer zu bekommen, als ein Mossi. Ich hatte meinen 412er damals aus dem "Kontor für Maschinen-und-Materielreserven", für 2400.-(Ost)Mark, in (für damalige Vehältnisse) recht ordentlichem Zustand.Betriebe waren damals (offiziell!)verpflichtet,ihre Fahrzeuge bei Wiederverkauf in diese Kontore zu bringen (viele Stempel:"Weiterverkauf nur an Kontor für Maschinen und Materialreseven" im Fahrzeugbrief zeugten davon)um sie der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.Ja, Sappo, Skoda, Mossi, konnte man dort sehr preiswert (zum ofiiziellen Schätzwert) kaufen.Trabant, Wartburg, Lada teoretisch auch,aber dafür brauchte man schon sehr gute Beziehungen (und) oder D-Mark!
tobi

geschrieben am:
04.01.2009 15:31

endlich wieder zeit fürs hobby.hat leider etwas gedauert.sehr interesant die meisten ehemaligen mosifahrer die ich kenne, lächeln blos und winken ab wenn mann sie danach fragt(-:.
408HEY

geschrieben am:
01.05.2009 23:51

Hallo,
also ganz so einfach ist es nicht. Meine Eltern haben 1971 ein Auto bestellt und Ende 1973 auf Mossi umbestellt, da mein Opa damals seinen 408 IE bekam. Im Mai 1974 stand der Wagen bereits vor der Tür. Aber man konnte z.B. auch 1975 noch Dacia's im Laden kaufen. Wir hatten dann so einen! Ohne Wartezeit ohen D-Mark usw.
Nach dem dann der Lada eingeführt wurde, war das eindeutig der modernere Wagen und der Ruf des Mossi ließ nach, bis schließlich kaum noch eine Nachfrage bestand und der Import Ende 70 Anfang 80 eingestellt wurde.
Im Übrigen mußten auch meine Eltern ihren 1968 neu gekauften 408 1974 an das Handelskontor verkaufen. Es mußten damals nicht nur Betriebe die Fahrzeuge dorthin geben sondern eben Privatpersonen auch um eben den Schwarzhandel einzudämmen. Das eine hat nicht funktioniert und das andere auch nicht.
Aristokrat

geschrieben am:
22.10.2009 18:30

Hallo Tobi,

ich muss Klaus hier ganz klar widersprechen! Vielleicht war es in einigen Regionen der DDR so wie Klaus es beschreibt, aber bei uns im sächsichen Raum war der Mossi (zumindest die "21"iger Baureihe) ein beliebtes und gesuchtes Auto! Es stimmt allerdings, dass vor allem die Vorsitzenden von LPG´s den Mossi meist als Dienstwagen fuhren! Wahrscheinlich wegen der großen Bodenfreiheit. Aber wie gesagt, bei der "normalen" Bevölkerung war er sehr beliebt. Allerdings nach dem Aus für den Mossi-Import lief ihm der Skoda und der Lada eindeutig den Rang ab!
Was Matti´s "Rangliste" betrifft, kann ich nur sagen, dass kein Sapo (egal welches Modell) jemals in der Beliebtheitsskala die Nummer 1 gewesen ist! ;o)

Wie sehr sich der Mossi in die Herzen von Autofahrern gesetzt hat, kann man heute ja erleben! Es gehen immer mehr guterhaltene Mossi den Weg aus dem Osten nach Deutschland!

LG Aristokrat
Wurstblinker

geschrieben am:
23.10.2009 07:33

Naja, so sehr kann sich der Mossi ja nicht in die Herzen "gesetzt" haben, so schnell wie er nach der Wende verschwunden ist.

Mal abgesehen von eine paar Fans, die im Anflug von Sentimentalität und/oder echtem Interesse jetzt, 20 Jahre nachdem alles in den Schrott geflogen ist, wieder mit so einem Auto beginnen.
Aristokrat

geschrieben am:
24.10.2009 08:55

Hallo Tobi,

ich kann Deine Antwort beim besten Willen nicht verstehen! Erstens vergisst Du ganz offensichtlich, das zum Zeitpunkt der Wende, der Einführung der D-Mark und der Deutschen Einheit selbst die "jüngsten" Mossi´s schon 12 Jahre auf dem Buckel hatten, das Zweitens es sehr große Unterschiede gab, was das Rosten der einzelnen Modelle betraf und das wie ich schon geschrieben hatte, der Lada nach der Importsperre dem Mossi klar den Rang abgelaufen hat!
Aber wenn man betrachtet, in welchen Stückzahlen der Mossi überhaubt den Weg in die DDR gefunden hat und wieviele es dann heute doch noch gibt, dann hat er eindeutig eine starke Fangemeinde. Es gibt nur offensichtlich nicht genug vernünftige Modelle um jedem Interesenten einen fahrfähigen Mossi zur Verfügung zu stellen. Denn selbst ich habe Jahre gesucht und mir dann letztenendes einen Moskwitsch aus Litauen liefern lassen!
Klaus Köpke

geschrieben am:
25.10.2009 12:25

Ich weiß zwar nicht,aus welcher Ecke Deutschlands Wurstblinker kommt;eins ist doch Fakt:Die Modelauswahl in der DDR war ja nun wirklich nicht groß(abgesehen von den "Genex Modellen)Das da viele Bürger nach den Westautos gegriffen haben,ist ja wohl mehr als verständlich.Ich selbst hatte zur Wende einen Lada 2103 Bj.73.Die Technik u.das Alter der DDR-Autos waren,wie Aristokrat richtig schreibt,wohl doch nicht mehr zeitgemäß.Jetzt, mit dem Abstand der Jahre, sehe ich die Dinge natürlich auch anders.Viele Dinge die man damals einfach in den Müll geworfen hat,hätte man aus heutiger Sicht lieber nicht weggeschmissen.Das gilt nicht nur für Autos.Aber so ist nun mal das Leben.Hinterher ist man immer schlauer.Es ist doch aber ein gutes Zeichen,das es wieder mehr Menschen gibt,die unseren guten alten Mossi mit viel Liebe hegen u.pflegen.Und eine gesunde Disskusion zu diesem Thema ist doch auch was wert,oder?
Aristokrat

geschrieben am:
26.10.2009 17:26

Hallo Klaus,

genau wie Du es beschreibst war es leider 1989/90. Die meisten Kfz-Besitzer aus dem Osten hatten die geringe Auswahl an Fahrzeugen, die lange Wartezeit und vor allem die zu diesem Zeitpunkt meist schon mindestens 2 Jahrzehnte alte Technik zunächst über. Da konnten die "Glücksritter" der gebrauchten bundesländer selbst "Schrott" für harte Währung an den Mann / die Frau bringen und viele trennten sich leider viel zu schnell von ihren Autos. Na und die meisten davon wurden entweder noch weiter in den Osten verschoben, oder sie landeten in der Presse.
Erst als man merkte, das ein 12 Jahre alter Polo, Golf, Opel, etc. auch störanfällig ist, als man merkte, dass auch "West-Autos" beim TÜV Probleme bekommen können, da wachte man auf und überdachte seine Einstellung zu den ehemaligen Lieblingen. Und damit kam die Stunde unserer (!) Ost-Autos! Heute gibt es Ost-Oldi-Liebhaber nicht nur auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, sondern inzwichen in ganz Europa. Und das ist irgendwie auch gut so! Denn Moskkwitsch, Skoda, Sappo und Co. haben es verdient, dass sie erhalten bleiben. Sie waren die VW´s, BMW´s, Mercedes und Co. des Ostens! Sie waren auf ihre Art auch Wunderwerke der Technik und funktionierten ebenfalls jahrzentelang.
Ich habe 1989/90 noch kein Auto besessen, da ich damals dafür noch zu jung war, aber meine Eltern haben immer Moskwitsch gefahren und so habe ich mir immer einen gewünscht. In Ermangelung eines geeigneten Mossi´s habe ich erst einen Trabant P 601 K gekauft, originalgetreu zurückgebaut und gefahren. Und nun, da ich endlich einen super erhaltenen 2140 bekommen konnte habe ich "zugeschlagen" und mir mein Traumauto (!) geleistet!
Übrigens habe ich auch schon einen Mercedes- und einen Jaguaroldtimer! Und trotzdem ist der Mossi mein großer Traum und wird gehegt und gepflegt.

LG Aristokrat
Aristokrat

geschrieben am:
26.10.2009 17:49

Hier mal ein Link zu einem original DDR-Fernsehspot zum Mossi 412!

http://www.youtube.com/watch?v=8zewDxbA4Po
Klaus Köpke

geschrieben am:
26.10.2009 19:50

Hallo Aristokrat!Du sprichst mir aus der Seele.Da ich in der Kfz-Branche tätig bin,kann ich nur bestätigen,was nach der Wende bei uns in den Werkstätten so abging.Die schwarzen Schafe der Branche haben ihren Autoschrott zu uns in den Osten geschoben.Vielen Leuten ist spätestens nach dem ersten TÜV die Kinnlade runtergeklappt als sie gesehen haben,was sie sich da haben andrehen lassen.Ich will jetzt hier nicht klugscheißen,wäre ich nicht vom Fach ,hätte ich vielleicht genauso gehandelt.Denn den "automobilen Einheitsbrei" hatten sicher viele satt.Da war so ein Westauto schon eine Versuchung.Mein erstes Westauto war ein Audi 80 Bj.89,dunkelgrün-metallic u.wunderschön.Den habe ich dann ein Jahr fahren dürfen ehe die Kripo bei mir auftauchte u.mir kundtat,das ich einen geklauten Wagen fahre.Das sind so die Geschichten,die das Leben schreibt.Meinen 2140 will ich über Winter zerlegen u.neu lackieren lassen.Er hat während seines 13-jährigen Dornröschenschlafes doch eionige Federn lassen müssen.Ich hoffe dann im nächsten Jahr wieder an Treffen teilnehmen zu können.Dieses Jahr in Treuenbrietzen war es schon mal nicht schlecht.Wenn mein Sohn wieder zu hause ist,stellt er mal ein paar Bilder davon ins Netz.Ich habe auf diesem Gebiet ne Glatze.
Aristokrat

geschrieben am:
28.10.2009 08:01

Hallo Klaus,

ich freue mich über Deine ehrlichen Worte und die Bestätigung meiner Einschätzung!
Übrigens kann ich nach ca 1,5 Wochen des Besitzes eines zugelassenen, fahrbereiten und alltagstauglichen Moskvitsch 2140 definitiv feststellen, dass ein Mossi mindestens so gebrauchsfähig ist, wie ein gleichaltriger "West-Wagen"! Aber er hat einen enormen Vorteil! Er ist überall der Publikumsliebling!!! ;o)

LG Aristokrat

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